Kanada

In Kanada hat man das Privileg frei/wild stehen zu dürfen, solange keine Hinweisschilder wie „No camping / No overnight“ aufgestellt sind oder es sich um Nationalparks sowie Privatgrund handelt. Das bedeutet im Klartext, du darfst ansonsten überall übernachten. Bitte hinterlasse jeden von dir besuchten Platz immer sauberer als du ihn vorgefunden hast. Es tut nicht weh, Müll von vorherigen Campern einzusammeln. Dadurch bleibt es für die nachkommenden Reisenden ein wilder Naturstellplatz! Wer weiß, ob sich das Gesetz ansonsten in Zukunft ändern wird, wenn überall Müll herum liegt…

Grundsätzlich gibt es für die Stellplatzsuche verschiedene Möglichkeiten. Zum einen kann man an einem schönen Ort, an dem die Route sowieso vorbeiführt, anhalten und die Nacht verbringen. Manchmal kann dies jedoch anstrengend sein, da man kleine Abzweigungen am Straßenrand zu spät erkennt oder es teilweise lange dauert, bis man etwas Passendes gefunden hat. Hier können Satellitenbilder auf bekannten Kartenanbietern auf dem Smartphone hilfreich sein, da man somit Feldwege und Lichtungen erkennen kann und sich dorthin navigieren lassen kann. Jedoch ist auch diese Option nicht immer optimal, denn Hinweisschilder auf Privatgrund oder Schranken vor den Feldwegen lassen sich meist nicht erkennen oder die Satellitenbilder sind nicht aktuell und eine Baustelle wurde errichtet. Ganz zu Schweigen, dass man nicht immer Empfang oder mobile Daten in der Wildnis hat. Aus diesem Grund möchten wir gerne zwei kostenlose Apps weiterempfehlen: Park4night und iOverlander.
Park4night funktioniert super gut in Europa und durch ein Abo sogar im Offline-Modus. Die App zeigt einem Schlafplätze, offizielle Campingplätze, Parkplätze, Offroad und vieles mehr an. Durch Setzung bestimmter Filter werden einem die gewünschten Ergebnisse angezeigt, mit der Möglichkeit sich direkt dorthin zu navigieren. Den Vorteil dieser App sehen wir darin, dass man ausgesuchte Plätze als seine Favoriten abspeichern und diese mit Freunden teilen kann.

iOverlander nutzen wir hauptsächlich für unsere Suchen in Kanada und die App hat sich bereits sehr bezahlt gemacht, obwohl sie kostenlos ist 😀 Der Nachteil ist allerdings, dass man keine Favoriten anlegen kann und die Plätze auch nicht teilbar sind. Allerdings liegt der große Vorteil in der Offline-Nutzung. Einmal die App heruntergeladen, hat man Zugriff auf jegliche Stellplätze aller Art und das weltweit! An dieser Stelle muss gesagt werden, dass man offline die Beschreibung und Kommentare lesen kann, doch um sich Bilder anzusehen, benötigt man eine Verbindung.
Zudem gibt es weitere Filtermöglichkeiten, die sich vor allem in abgelegeneren Gegenden bewährt haben. Die Suche nach Wasser oder der nächstgelegenen Tankstelle haben uns schon ein paar Mal entspannter reisen lassen. Des Weiteren kann man auch nach Gasfüllungen für den Camper, Konsulaten, Fähren, Wi-Fi, Sehenswertes, etc. filtern.

Die folgenden Abschnitte sollen die mögliche Suche nach Schlafplätzen in Kanada vereinfachen. Allerdings geben wir keine Garantie auf die Richtigkeit des Inhaltes und sprechen lediglich von unseren persönlichen Erfahrungen.

In Kanada gibt es staatliche und private Campingplätze, die sich meist in den Kosten und den angebotenen Dienstleistungen unterscheiden. Die staatlichen Plätze sind meist sehr primitiv und daher relativ kostengünstig, während die privaten mehr Annehmlichkeiten bieten und sich dies bezahlen lassen.

Zu den östlich gelegenen Provinzen vor Alberta können wir nicht wirklich hilfreiche Tipps geben, da wir außerhalb der Saison (vor Mitte Mai) unterwegs waren und somit alles mögliche wie Campingplätze, Besucherzentren, Museen, etc. geschlossen war. Aus diesem Grund gehen wir in diesem Blogeintrag auf die Provinzen Alberta, British Columbia und Yukon genauer ein.

Alberta

In der Nähe der Rocky Mountains am Rande der Nationalparks gilt es eine Regel in Alberta zu beachten. Hier darf man nur mit einem „Public Lands Camping Pass“, der eine sogenannte WIN (Wildlife Identification Number) beinhaltet, frei stehen. Es gibt die Möglichkeit den Camping Pass für 3 Tage oder für ein ganzes Jahr für 33,25 CAD + Steuer zu erwerben, wobei die WIN zusätzlich 8 CAD + Steuer gezahlt werden muss. Online ist dies schnell beantragt und man erhält direkt im Anschluss ein Dokument, das bei Bedarf vorgezeigt werden muss.
Wir haben uns für das ganze Jahr entschieden, da wir uns längere Zeit in Alberta aufhalten. Wenn man vorhat nur die Nationalparks zu besuchen, würden wir von der WIN abraten, da in den Parks wild campen verboten ist und man für Campingplätze die Identifikationsnummer nicht benötigt.
Die Campingplätze in den Nationalparks werden von „Parcs Canada“ betreut und bieten manchmal Duschen und Toilettenspülung an, jedoch sind die meisten sehr primitiv und ein Trockentoilette ist das einzige Gebäude. Über die Webseite von Parcs Canada kann man einen Platz reservieren und direkt bezahlen. Dabei wird jedesmal eine zusätzliche Gebühr für Feuerholz abgebucht, die nicht abgewählt werden kann. Bei einer hohen Waldbrandgefahr und einem damit verbundenem Verbot, werden die Kosten beim Einchecken zurückerstattet. Die Gebühren variieren je nach Nationalpark und teilweise nach dem gewählten Service wie z.B. Strom.

British Columbia

Die Stellplatzsuche in British Columbia ist aus unserer Erfahrung am einfachsten. Es gibt wie immer die Möglichkeit wild zu stehen, doch wer es lieber „sicherer“ haben möchte, kann die günstigen Government-Campingplätze nutzen. Diese werden auch „Recreational sites“ genannt, von denen es zwei Varianten gibt – kostenlos oder durch eine geringe Gebühr. Dabei ist es wichtig zu wissen, dass die Gebühr von 20 CAD (Stand Juni 2023) nur bar zahlbar ist. Auch dabei gibt es zweierlei Vorgehensweisen, was von Platz zu Platz unterschiedlich sein kann. Auf manchen kommt am Abend oder am Morgen der Platzwart vorbei und sammelt das Bargeld ein, notiert sich die Personenanzahl, Aufenthaltsdauer und Kennzeichen. Bei anderen Plätzen gibt es eine „Self-registration“. Hierbei füllt man einen Briefumschlag aus, der dieselben Daten wie ein Platzwart erfragt. Dieser Umschlag wird mitsamt der Gebühr in einen kleinen Briefkasten eingeworfen*.

Bild 2: Self-registration an einem Government Campground

Bei beiden Varianten kann man sich die Campsite selbst aussuchen und es gilt jeweils die Regel wer zuerst kommt, malt zuerst.
Die Government-Campingplätze verfügen über mehrere Toiletten in Form eines Trockentoilette sowie über Mülleimer, Feuerstellen und Bear Storage Food locker (interessant für Zeltende ohne Fahrzeug). Wobei die kostenlosen Plätze meist nur eine Toilette bereitstellen.

*Die genaue Vorgehensweise ist an den Infotafeln der Plätze beschrieben.

Yukon Territorium

Der Yukon ist sehr einsam und bietet eine endlos erscheinende Weite, von der wir dachten, es sei einfach schöne Stellplätze zu finden. Doch es gibt kaum Forststraßen, die vom Highway abführen. „Warum auch?“ haben wir uns irgendwann gefragt, denn wieso sollte man eine Straße ohne jeglichen Grund in die Natur bauen?
Somit bietet sich hier die Nutzung der oben genannten Apps sehr gut an. Entlang der Straßen befinden sich immer wieder die Government-Campingplätze, die dieselbe Vorgehensweise und Gebühr erheben, wie in British Columbia. Schließlich ist ja auch alles Kanada 🙂 Ein aus unserer Sicht sehr freundlicher Service, der inbegriffen ist, ist das Feuerholz. Es gibt auf den Campingplätzen mehrere Unterstände, in denen trockenes Feuerholz gelagert ist, von dem man soviel nehmen darf, wie man möchte. Dieses sollte noch zu Brennholz zerkleinert werden, weshalb eine scharfe Axt unerlässlich ist! Doch es darf lediglich auf dem Platz verbrannt und nicht entwendet werden.

Nationalparks

Kanadas Nationalparks erheben pro Tag Gebühren, die von der Personenanzahl abhängen (ein Fahrzeug ist inklusive). Fährt man mit einem Fahrzeug in einen Nationalpark hinein, muss man bei einem „Grenzhäusschen“ anhalten und die entsprechende Zahlung tätigen. Bevor man nach Kanada reist, sollte man sich im Vorfeld Gedanken machen, wie viele Parks und wie viele Tage man gerne dort verbringen möchte. Unter Umständen kann dann ein Discovery Pass, der ein ganzes Jahr gültig ist, günstiger sein. Es empfiehlt sich den Pass nicht nach Deutschland schicken zu lassen, um die hohen Versandkosten zu umgehen. Online kann man schnell vorab herausfinden, wo der Verkauf des Discovery Passes möglich ist. Vorsicht: Der Pass wird nicht an den „Grenzhäusschen“ verkauft, sondern meist in Besucherzentren oder Outdoorgeschäften.
Hat man sich dazu entschieden, den Pass zu kaufen, hängt man ihn einfach um den Rückspiegel und die Mitarbeiter des Nationalparkes winken einen bei den „Grenzhäusschen“ durch.

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